Eine Frage der (inneren) Haltung

Mein Wallach Donar ist Ende 2022 in einen neuen Stall gezogen, weshalb mich das Thema Haltung schon seit einer Weile besonders beschäftigt. Meine Gedanken drehen sich dabei natürlich um die Pferdehaltung im Kontext des Fütterungs-Haltungs-Bewegungsrahmens – was kann ich umsetzen?

Was möchte ich in Angriff oder muss ich in Kauf nehmen? Was möchte ich ändern?

Aber auch die Haltung im übertragenen Sinne, die innere Haltung, beschäftigt mich immer wieder. Die innere Haltung ist die Grundlage für alle Entscheidungen – sowohl im Pferdekontext als auch im „echten Leben“ – deshalb lohnt es sich meiner Meinung nach sehr, sich damit immer wieder auseinanderzusetzen. Denn nur wenn ich meine Haltung zu einem gewissen Thema kenne, ergeben auch meine Antworten auf die gestellten Fragen Sinn. Es folgen eine kurze Begriffsklärung und ein paar konkrete Beispiele aus der Pferdewelt.

Haltung oder Mindset?

Der modernere Begriff als „Haltung“ wäre wahrscheinlich mindset, aber einen kleinen Unterschied gibt es da schon. Mindset hat etwas Mechanisches. Als könnte ich einen manuellen Eingriff tätigen und schon sind meine Gedanken „eingestellt“ (my mind is set).

„Haltung“ transportiert jedoch etwas mehr als die Ausrichtung der Gedanken, nämlich außer der Art und Weise wie ich die Dinge sehen möchte auch noch die Prägungen, Erfahrungen und Glaubenssätze, die dahinter stehen – eben all das, was mich zu einer gewissen Überzeugung gebracht hat. Aber nur wenn ich diese Überzeugung auch mal in Frage stelle (oder dies vielleicht sogar tun muss, weil mich jemand mit einer anderen Überzeugung konfrontiert), kommt zum Vorschein, was sich hinter meiner Haltung eigentlich verbirgt – und ob ich sie überhaupt weiterhin vertreten möchte.

Dinge, die wir über unsere Pferde sagen

Die innere Haltung ist also maßgeblich an der Entscheidungsfindung beteiligt – in jeder Lebenslage, auch im Pferdekontext. Außerdem trägt sie dazu bei, wie wir über etwas denken oder sprechen. Mir begegnen immer wieder Pferdebesitzer, die irgendwie „aufgegeben“ zu haben scheinen:

  • Der hat Arthrose und braucht deshalb einen Spezialbeschlag. Ist teuer, aber ist eben so.

 

  • Das ist ein Rehepony, das kann nicht mehr auf die Weide.

 

  • Das Pferd hat Magenprobleme, deshalb verträgt er keine Medikamente.

 

  • Die Stute hustet, deshalb bekommt sie nur noch Heulage.

 

All diese Aussagen beziehen sich auf die Gesundheit des Pferdes und die Liste könnte endlos fortgesetzt werden. Hinzu kommen dann noch Aspekte aus dem Bereich „Erziehung“, die wir so oder so ähnlich ständig von uns geben. Weil wir es so gelernt haben. Und weil leider fast überall so über Pferde geredet wird:

  • Der muss in den Hänger gehen.

 

  • Die hat beim Schmied stillzuhalten.

 

  • Der bekommt keine Leckerlies, sonst bettelt der.

 

  • Ich bin der Chef, die muss wissen, wer hier das Sagen hat.

 

Und dann gibt es noch „Diagnosen“, die wir irgendwann entweder selbst gestellt haben oder die jemand anderes (ungefragt) gestellt hat:

  • Die ist ein Problempferd.

 

  • Der hat Sattelzwang.

 

  • Die braucht Eisen.

 

  • Der braucht keine Decke.

 

  • Die muss geschoren werden.

 

Das kann natürlich alles sein und sehr gute Gründe haben. Aber zumindest die Frage nach Alternativen sollte man vielleicht immer mal wieder aufwerfen, denn solche „Fakten“ sind selten in Stein gemeißelt. Wenn sich die Umstände (oder die persönliche Haltung?) ändern, sehen die Dinge vielleicht plötzlich ganz anders aus. Denn vielmehr als „Fakten“ sind diese Aussagen meistens Ausdruck unserer inneren Haltung.

Die Frage nach dem Warum

Viel treffender wäre es deshalb eigentlich zu sagen:

  • Ich halte es für sinnvoll, dass sie Eisen bekommt.

 

  • Ich halte viel von Futterlob.

 

  • Meiner Meinung nach ist Respekt vom Pferd enorm wichtig.

 

  • Ich denke, dass Heulage das Richtige für mein Pferd ist.

 

Die Dinge auf diese Weise zu formulieren statt sie wie Fakten zu verkaufen bringt jedoch einen entscheidenden „Nachteil“ mit sich – die Frage nach dem Warum.

Plötzlich muss ich mich erklären können, aber das kann oder will ich oftmals gar nicht. Vielleicht, weil ich etwas sage, das ich selbst nicht ganz verstehe („Hufrehe“), das ich noch nie hinterfragt habe („Sattelzwang“) oder – und ich glaube, dass das meistens der Fall ist – ganz unterbewusst aus Selbstschutz. Denn wenn ich hinterfrage oder gefragt werde, wird es meistens unbequem. Dann brauche ich Antworten, Erklärungen, Alternativen und schließlich Lösungen.

Aber manchmal sind wir betriebsblind. Oder einfach zu mürbe. Wir kämpfen schon seit Ewigkeiten mit den Gewichtsproblemen unseres Pferdes, haben schon zig Tierärzte da gehabt, schon wer weiß wie viele Kräuterkuren gemacht, es mit barhuf versucht, aber es geht nicht, die Reitlehrerin drauf gelassen, damit sie ihm mal zeigt, wo es lang geht, aber seitdem lässt er mich nicht mehr aufsteigen. Schon drei Klinikaufenthalte wegen immer wieder kehrenden Koliken hinter uns, den Stall gewechselt, das Heu gewässert, den Trainer gewechselt, Unmengen Geld für nichts und wieder nichts ausgegeben – ES NÜTZT ALLES NICHTS.

Und die Suche nach Alternativen

So fühlt es sich manchmal an. Man will nicht mehr, man kann nicht mehr, man hat schlechte Erfahrungen gemacht, man hat keine Zeit, kein Geld, keine Energie mehr, um weiter zu suchen. Und das ist wahnsinnig anstrengend. Das erzeugt Frust. Und gerade da kommt die innere Haltung ins Spiel.

  • Ich habe die Nase voll von dem Spezialbeschlag, er lahmt trotzdem immer wieder, es muss doch auch andere Möglichkeiten geben?

 

  • Ist die Stute wirklich unreitbar oder kann man vielleicht nochmal ganz von vorne anfangen?

 

  • Darf das Pony jetzt wirklich nie wieder auf die Weide, wenn es einen Reheschub hatte?

 

  • Hatte er schon immer Sattelzwang? Irgendwas muss das doch ausgelöst haben?

 

Mit diesen Fragen beginnt die Such nach Alternativen, vielleicht das Finden neuer Lösungen. Die innere Haltung ist eine vollkommen andere als bei den oben genannten Beispielen. Ich sehe ein Problem und möchte es angehen. Ich klemme mich dahinter und suche Ursachen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass es viel leichter wäre, diesen Weg zu gehen, wenn mehr Fragen gestellt würden. Mehr ehrlich interessierte Fragen ohne Anschuldigungen, Besserwissereien oder „Glaubenskriege“ um Beschlag oder barhuf, Decke oder nicht, Heu oder Heulage.

Und ich bin auch der Überzeugung, dass jeder einzelne von uns seine innere Haltung zu den Themen, die zumindest das eigene Pferd betreffen, einmal überdenken sollte. Sich ein Stück weit für andere Wege öffnen sollte. Nicht den Kopf in den Sand stecken und „Fakten“ hinnehmen sollte, die vielleicht gar keine Fakten sind. Und auf diese Weise vielleicht Ursachen, Wege, Alternativen, Lösungen findet, die man sonst für immer ausgeblendet hätte. Oder man kommt zu dem Schluss, dass man weiterhin eine gewisse Haltung vertritt und dass diese gut ist, weil man weiß, warum sie die beste Variante für das eigene Pferd ist.

In meinem Fall war eines dieser Themen über Jahre hinweg die Haltung meines Pferdes. Ob der neue Stall tatsächlich der Ort ist, an dem Donar dauerhaft gesund und glücklich ist, weiß ich natürlich nicht garantiert. Aber meine innere Haltung zu dem Thema ist inzwischen klar und stark. Ich weiß, warum ich mich für diesen Weg entschieden habe und habe unheimlich viel dazugelernt. Und davon profitieren immer beide – Besitzer und Pferd.

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