Der Fütterungs-Haltungs-Bewegungs-Rahmen

ODER: Warum das mit dem Abnehmen bei meinem Pferd so eine Sache ist...

Hast du schon einmal darüber nachgedacht, dass sich beim Pferd die Aspekte Fütterung, Haltung und Bewegung unmöglich trennen lassen? Die Haltungsform bestimmt das Maß der Bewegung (in der Ruhezeit des Pferdes, gemeint ist die Bewegung ohne Menschen) und die Menge des Futters.

Ein ganz einfaches und pauschales Beispiel: ein Pferd, das in der Box steht, hat weniger Möglichkeiten sich zu bewegen als ein Pferd, das in einem Offenstall steht. Ein Pferd, das den ganzen Tag auf der Weide steht, hat ebenfalls mehr Bewegungsmöglichkeiten (ob es die auch annimmt, hängt von vielen weiteren Faktoren wie Stoffwechseltyp, Gesundheit, Eigendynamik, etc. ab), aber auch ein höheres Futterangebot (wenn die Weide nicht völlig abgefressen ist).

Im Gegensatz dazu kann ein Hund, der mit rohem Futter artgerecht ernährt wird, trotzdem seine Tage auf dem Sofa verbringen – das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Pferdehaltung ist komplex - und sehr individuell

Beim Pferd ist das anders. Fütterung, Haltung und Bewegung greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Als Pferdebesitzer kann man an jeder dieser Stellschrauben drehen, um eine für das jeweilige Pferd bestmögliche Situation zu schaffen. Aber nur wenn man versteht, dass diese Aspekte ineinandergreifen und sich gegenseitig bedingen, kann man die Vogelperspektive einnehmen und ganzheitlich handeln. Gerade das macht Pferdehaltung unheimlich komplex – und extrem individuell. Ich berichte an dieser Stelle mal von meinem Wallach Donar, denn er ist das perfekte Beispiel dafür, dass es diese ganzheitliche Sichtweise braucht.

Wer lieber abkürzen möchte, kann unser Beispiel natürlich auch überspringen und zum Fazit am Ende des Beitrags scrollen.

Unsere Geschichte

Donar ist ein elf Jahre alter Mix aus Criollo, Friese und Trakehner und gehört zu mir seit er drei Jahre alt ist. Er ist in reiner Weidehaltung geboren und aufgewachsen, wobei die Herde den Winter mit Heu zur freien Verfügung im Offenstall verbracht hat. Er hatte schon immer einen Hang zum Übergewicht und als er sechs Jahre alt war, war er so extrem dick, dass mir klar war, ich MUSS JETZT handeln, sonst wird er krank. Eine andere Haltungsform musste her.

Er ist also in einen Offenstall gezogen, in dem er zunächst nur tagsüber auf der Weide war und nachts Heu und Stroh bekommen hat, später war er nur noch halbtags auf der Weide. Durch bessere Trainingsmöglichkeiten auf der Anlage konnte ich ihn auch intensiver bewegen und ja, er hat abgenommen – bis zu einem bestimmten Grad. Durch den Stallwechsel habe ich an allen drei Stellschrauben gedreht und eine Veränderung erzielt, doch auch zwei Jahre später war Donar immer noch zu dick. Hinzu kam eine enorme Belastung durch schimmeliges Stroh und staubiges Heu und mir wurde auch in diesem Stall schnell klar – ich MUSS JETZT handeln, sonst wird er krank.

Und von da an hatte ich als Futterberaterin die liebe Janet Metz an meiner Seite, die mir mit ihrer Rationsberechnung und diversen Hilfestellungen enorm weitergeholfen hat. Und sie hat meinen Blick geschärft. Ich hatte doch schon Fütterung, Haltung und Bewegung angepasst. Warum war mein Pferd dann immer noch so dick? So begann mein Interesse an der Arbeit (und dem Wissen!) einer Futterberaterin zu wachsen – während ich einen neuen Stall für Donar suchte.

Ich wurde fündig und er zog nach zwei Jahren in einen Paddocktrail, der ganz neu gebaut wurde. Eine riesige Chance und eine geniale Haltungsform! Ich hatte die Hoffnung, dass Donar sicherlich endlich abnimmt, wenn er an zeitgesteuerten Heuraufen frisst, keinen Weidegang mehr hat und sich im Alltag deutlich mehr bewegt. Ich hatte also erneut die Möglichkeit, sowohl Fütterung als auch Haltung zu optimieren und hatte große Erwartungen – doch der gewünschte Erfolg (ein gesundes Idealgewicht) blieb noch immer aus. Donar hat sehr schnell eine deutlich bessere Figur bekommen – aber das lag hauptsächlich daran, dass er Wassereinlagerungen, die durch die mangelhafte Futterqualität im vorherigen Stall entstanden sind, abgebaut hat.

Doch die Fettpolster blieben hartnäckig und die Heuraufen blieben rund um die Uhr geöffnet, da ein Großteil der Herde aus schwerfuttrigen Pferden bestand, die viel mehr Futter benötigten. Auch seine sehr schwach ausgeprägte Eigendynamik hatte ich unterschätzt, denn trotz verbessertem Bewegungsangebot im Trail, hat er dieses kaum genutzt. Fütterung und Haltung hatten sich also leicht verändert, aber der relevanteste Punkt der Bewegung im Alltag blieb aus.

Schon im vorherigen Stall hatte ich mit Equikinetic, Intervalltraining und einer Ausbildung, die auf den Prinzipien der klassischen Dressur beruht, begonnen, doch auch die tägliche (!) sinnvolle und auf Donar angepasste Bewegung brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Fettpolster waren schon deutlich kleiner, aber immer noch da.

Ein erneuter Stallwechsel stand Ende 2022 an und dieses Mal wurde ich Selbstversorger.

Endlich hat sich die Möglichkeit aufgetan, dass ich erneut und dieses Mal sehr deutlich Haltung und Fütterung für Donar optimieren kann. Die tagtägliche Bewegung mit Fokus auf Training im aeroben Bereich mit dem Ziel der Fettverbrennung ist und bleibt gesichert, das Heu, das er nun bekommt, wird rationiert und genau auf seinen Bedarf angepasst. Fresspausen werden durch Stroh und Äste überbrückt, Weidegang ist in frei anpassbarem Umfang im Frühjahr wieder möglich. Er steht nun nur noch mit einem weiteren Pferd zusammenstehen, einer ebenfalls leichtfuttrigen PRE Stute, die auch schon in der vorherigen Herde sein Anker war.

Was lange währt, wird endlich gut

Ein langer Weg, viele Umstände, die ich erst im Nachhinein vollends verstanden habe und viel Zeit, die seit Mai 2019, als er aus seinem ersten Stall ausgezogen ist, vergangen ist. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass er schnell und einfach abnimmt. Natürlich hätte ich gerne schon damals das Wissen und die Möglichkeiten gehabt, die ich jetzt habe, aber so ist es nun einmal nicht.

Erst JETZT bin ich an diesem Punkt angelangt, habe viele Erfahrungen und viel wertvolles Wissen gesammelt, habe dabei mich und mein Pferd immer besser kennengelernt und somit nun die Gewissheit, dass der Weg, der vor uns liegt, der richtige ist. Ich kenne jetzt den Fütterungs-Haltungs-Bewegungs-Rahmen, den mein Pferd braucht und kann entsprechend handeln. Ich werde auch zukünftig immer mal wieder kleinere Anpassungen daran vornehmen müssen, aber durch meine Ausbildung zur Futterberaterin habe ich das notwendige Wissen, um dies auch tun zu können – ohne auf das angewiesen zu sein, was andere sagen oder für richtig halten, denn eine Meinung dazu hat natürlich jeder.

Aber niemand kennt Donars individuelle Lage so gut wie ich. Und wenn ich im Verlauf der letzten Jahre eines gelernt habe, dann dass Pferdehaltung IMMER absolut individuell ist. Dass jedes Pferd einen ganz eigenen Fütterungs-Haltungs-Bewegungs-Rahmen braucht und dass pauschale Aussagen zur „richtigen“ Pferdehaltung mit Vorsicht zu genießen sind.

Rationsberechnung als Rettungsring

War die Rationsberechnung also umsonst? Hätte er auch einfach auf der Weide bleiben können? Auf keinen Fall!

Ich bin der festen Überzeugung, dass sein Stoffwechsel längst entgleist wäre, wenn er nicht schon seit Jahren eine bedarfsgerechte Mineralversorgung, Unterstützung der Leber und Nieren sowie tägliche, sinnvolle Bewegung bekommen würde. Doch all das hat seine Grenzen wenn der Fütterungs-Haltungs-Bewegungs-Rahmen nicht stimmt. Und doch ist es im Alltag oft so, dass limitierende Faktoren wie Zeit, Geld, der passende Stall, die entsprechende mentale Verfassung von Pferd und Mensch und vieles mehr nun mal nicht immer optimal sind. Und das ist okay.

In meiner Arbeit als Futterberaterin geht es mir nicht darum, perfekte Verhältnisse zu schaffen. Perfekt wäre schön, ist aber auch eine Illusion. Und deshalb gilt es, aus der bestehenden Situation das Beste für dein Pferd rauszuholen. Fütterung, Haltung und Bewegung im Rahmen des Möglichen zu optimieren und immer wieder zu hinterfragen. Und dabei helfe ich dir sehr gerne!

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